Engpaß Straubing – Vilshofen
Die Rhein-Main-Donau-Wasserstraße hat eine Gesamtlänge von 3.500 km. Der entscheidende Engpaß Straubing – Vilshofen ist 69 km lang.
Auf dieser Engpaßstrecke wurde 1997 an 240 Tagen die Fahrrinnentiefe von 2,80 m, d.h. Abladetiefe 2,50 m, unterschritten. (Zum Vergleich: Kaub/Mittelrhein an 18 Tagen).
An 94 Tagen betrug die Fahrrinnentiefe weniger als 2,0 m. Dies bedeutet einen Tiefgang des Schiffes von nur 1,7 m. Ein leeres Schiff liegt aber schon 1,5 m im Wasser. An rund 30 Tagen konnte überhaupt keine Güterschiffahrt stattfinden.
Damit wird die Wettbewerbsfähigkeit der Binnenschiffahrt gegenüber anderen Verkehrsträgern auf der Main-Donau-Wasserstraße entscheidend eingeschränkt:
Deshalb hat die Beseitigung dieser Engpaßstrecke ein besonders günstiges Nutzen-Kosten-Verhältnis von 3,5. Das bedeutet, daß für jede ausgegebene Mark ein dreieinhalb Mal so hoher gesamtwirtschaftlicher Nutzen entsteht. Berücksichtigt man noch die Vermeidung von CO²-Emissionen, so ergibt sich bei staugestütztem Ausbau ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 4,5.
Ein sachgerechter Ausbau nützt daher nicht nur der Schiffahrt, sondern auch der Umwelt!
Sanierung der Donaustrecke Straubing – Vilshofen
Beim Ausbau der Donaustrecke Straubing – Vilshofen müssen folgende Ziele erreicht werden:
Planungen und Alternativvorstellungen
Hierzu hat die Rhein-Main-Donau AG nach sorgfältigen Voruntersuchungen das Konzept eines staugestützten Ausbau mit zwei Staustufen mit geringer Stauhöhe von ca. 3 m und einem 9km Seitenkanal entwickelt. (siehe Grafik Strecke Straubing – Vilshofen).
Dabei würde der Fließcharakter der Donau weitgehend erhalten und eine ca. 12 km lange schiffahrtsfreie Flußstrecke mit einem entsprechend großen Kompensations-potential an anderen Stellen entstehen. Gleichzeitig würde die für die Schiffahrt erforderliche Mindestbedingung einer zuverlässigen Abladetiefe von 2,50 m sichergestellt.

Der Verbands-Naturschutz lehnt dagegen einen Ausbau entweder gänzlich ab oder fordert flußbauliche Maßnahmen vergleichbar der früheren Niedrigwasserregulierung, d.h. eine Kombination aus den Wasserstand stützenden Längs- und Querwerken sowie einer Vertiefung und gleichzeitigen Befestigung der Flußsohle gegen Erosion und zur Erhöhung der Rauhigkeit.
Nachdem sich die Behauptung von Professor Ogris, auf diese Weise eine Abladetiefe von 2,50 m und eine ausreichend breite Fahrrinne erreichen zu können, als gänzlich unhaltbar erwies, wird vom Verbands-Naturschutz nunmehr eine Fahrrinnenvertiefung von 20 bis 30 cm als "völlig ausreichend" bezeichnet. Damit wird die Forderung verbunden, daß sich die Güterschiffe der Engpaßstrecke anpassen sollten. Ein wasserbau- und schiffahrtstechnik-schlüssiges Konzept für diese Forderungen besteht jedoch nicht.
Umfangreiches Untersuchungsprogramm
Bundesverkehrsministerium und Freistaat Bayern haben vor dem Hintergrund dieser Auseinandersetzungen im Oktober 1996 ein umfangreiches Untersuchungs-programm vereinbart. Danach soll im Jahre 2000 eine allseits akzeptierte Entscheidung erreicht und hierzu zunächst in folgenden Schritten vorgegangen werden:
Bei diesen vertieften Untersuchungen geht es um die genaue Ermittlung der hydraulischen Wassertiefe im 100-m-Raster für die gesamte Donaustrecke Straubing – Vilshofen.
Außerdem um die Feststellung, welche Abladetiefe unter den örtlichen Verhältnissen bei der erreichbaren hydraulischen Wassertiefe möglich ist.
Auch ist in Ergänzung von Laborversuchen ein Naturversuch an der Donau bei Mühlham vorgesehen. Dabei wird auf einer 600 m langen und 40 m breiten Strecke ein Steinteppich in die Donau eingebaut, um das Verhalten einer derartigen Sohlsicherung in der Praxis zu studieren.
Parallel hierzu erfolgen umfangreiche ökologische und limnologische Untersuchungen, um die verschiedenen Lösungen aus Sicht der Umwelt zu bewerten.
Bei den ökonomischen Untersuchungen geht es dagegen um Investitionen und Folgekosten verschiedener Ausbaualternativen sowie um Transportprognosen.
Schon heute kann man sagen: Wohl noch nie wurde ein einzelner Flußabschnitt so gründlich in Theorie und Praxis und untersucht.
Vorbehalte und Zweifel
Der Deutsche Wasserstraßen- und Schiffahrtsverein steht diesem Untersuchungsprogramm aus folgenden Gründen skeptisch gegenüber: