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Donau zwischen Regensburg und Passau als Weltnaturerbe?

Die nachfolgend stichwortartig aufgeführten Fakten und Gesichtspunkte wurden zusammengetragen und historisch recherchiert von Dr. Wilhelm Doni (1992–2001 Vorsitzender des DWSV) anlässlich der Anhörung im Bayerischen Landtag am 28.02.2007 zum Thema „Chancen einer Ausweisung der Donaulandschaft zwischen Straubing und Vilshofen mit dem Isarmündungsgebiet unter Einbeziehung der Städte Regensburg und Passau als Weltkultur- und Weltnaturerbe der UNESCO“.
Weltnaturerbe

1.    Donau im „Urzustand“ vor 1830 (Bay. Topokarte Oberst v. Riedel)
  • Grundwasserdynamik
    Gering, da flach und breites Bett; keine Eintiefungstendenz; eher Anlandungen.
    Hohe Überschwemmungshäufigkeit; sehr geringer Flurabstand
  • Naturraum
    Urwaldartige Sumpflandschaft; Kiesbänke; stark verzweigtes Flusssystem.
  • Gesundheit
    Ungünstig durch Gelbfieber- und Malariamücken

2.    Donauregulierung (Begradigung) 1830–1880 (Bay. Topokarte, z.T. in Karten v. Riedel eingezeichnet)
Flussschleifen werden abgeschnitten; Ufer befestigt
  • Grundwasserdynamik
    Vergrößert durch Eintiefungstendenz; Laufverkürzung.
    geringere Überschwemmungshäufigkeit; Vergrößerung des Flurabstands; Absinken des Niederwasserspiegels
  • Naturraum
    Urbarmachung zur landwirtschaftlichen Nutzung; Trockenlegung; Rodung der Urwaldflächen; begradigtes geometrisches Flusssystem mit parallelen Ufern.
  • Gesundheit
    Verbesserung Malaria, Gelbfieber werden durch Trockenlegung der Sumpflandschaft bekämpft.

3.    Donauregulierung (Hochwasserschutz) 1925–1930 (Denkschrift zum Hochwasserschutz)
Bau von HW-Deichen in großen Umfang, Begrenzung des Überflutungsgebietes; Gewinnung von weiteren landwirtschaftlichen Flächen; Schutz von Städten.
  • Grundwasserdynamik
    Weitere Vergrößerung der Amplitude durch Reduzierung der Breite des Hochwasserstromes; Erhöhung der Hochwasserstände; Verschärfung der Eintiefungstendenz durch Breitenbegrenzung bei Hochwasser.
    geringere Überschwemmungshäufigkeit der geschützten Gebiete;
  • Naturraum
    Weitere Flächen werden vom Menschen genutzt; Trockenlegung; Rodung der Auwaldflächen; Siedlungsgebiete, Verkehrswege, Landw. Flächen.
  • Gesundheit
    Hungersnöte durch Naturkatastrophen gehören der Vergangenheit an. Wohlstand führt zu Verringerung der Sterblichkeit und Erhöhung der Lebenserwartung.

4.    Donauregulierung (Schifffahrt) 1930–1950 (Schifffahrtskarten)
Einbau von Buhnen und Leitwerken.
  • Grundwasserdynamik
    Verringerung der Tiefststände durch Begrenzung der Niedrigwasserstände; Erhöhung der Hochwasserstände durch die Einbauten; Weitere Erhöhung der Eintiefungstendenz.
  • Naturraum
    Erhöhung des Nutzungsdruckes durch kriegsbedingte Holzanbauflächen (Pappelaufforstungen)

5.    Donauregulierung (Schifffahrt) 1966 – heute (Schifffahrtskarten)
Bau der Staustufen Geisling und Straubing.
  • Grundwasserdynamik
    Weitestgehende Entkoppelung des Grundwassers von der Donau. Damit wird eine Annäherung an den Urzustand wieder möglich. Grundwasserniveau wird jedoch wegen der Berücksichtigung der Landwirtschaft auf tieferen Niveau gehalten (keine Sumpflandschaft)
  • Naturraum
    Landwirtschaftlich geprägt; durch wachsenden Wohlstand und damit verbundenes Bevölkerungswachstum erhöht sich der Siedlungsdruck im Umkreis der über Jahrhunderte gewachsenen Siedlungsgebiete.

Zusammenfassung:
Der massivste und unumkehrbare Eingriff war die Begradigung der Donau. Hierdurch hat die heutige Donau und die erhalten gebliebene „Restaue“ mit einer ursprünglichen Flusslandschaft eines sich selbst überlassenen Flusses nicht das geringste mehr gemeinsam.

Dieses höchst menschliche Produkt, aus Not, Hunger und Leid geboren, als Weltnaturerbe schützen zu wollen und damit jeglicher Veränderung, auch einer eventuell möglichen partiellen Renaturierung, zu entziehen ist unverständlich und geradezu absurd, insbesondere wenn man die Vergleiche aus den anderen Kontinenten heranzieht. (Afrika: Viktoria-Fälle; Amerika: Grand Canon, Iguacu-Wasserfälle; Europa: Donaudelta)


Weltkulturerbe

Limes

Der Limes war die Nordgrenze des römischen Reiches in Germanien.
Die Donau war zwischen Passau und Regensburg, die natürliche Grenze des römischen Reiches nach Norden. Eine Befestigung, wie sie der Obergermanische oder der rätische Limes aufzuweisen hat, hat es nicht nachweisbar gegeben. Wahrscheinlich war das Wildflussgebiet der Donau nur sehr schwer zu durchringen, so dass die Gefahr von militärischen Attacken auf das römische Gebiet verhältnismäßig gering war und eine Kontrolle des Gebietes durch kleinere Kastelle südlich der Donau ausreichte.

Seit der Begradigung der Donau im 19. Jahrhundert ist die Donau mit der Donau zur Römerzeit nicht mehr zu vergleichen. Sie ist ein vielfältig genutzter Strom und kann den Eindruck einer Grenze auch nicht annähernd wiedergeben. Im Gegenteil sie ist eher ein verbindendes als ein trennendes Element.

Kultur
Die 1830 eingeleitete Entwicklung ist nicht zu Ende. Die Eintiefung der Donau schreitet weiter voran und bedarf zukünftig weiterer korrigierender Eingriffe um nachteilige Auswirkungen auf Mensch, Kulturland und Natur zu begrenzen.
Bereits der Erhalt der derzeitigen Situation benötigt einen hohen technischen Aufwand:
-    Hochwasserschöpfwerke
-    Ent- und Bewässerungskanäle
-    Poldergebiete
-    Deichbauten
-    Regulierungsbauwerke

Es ist geradezu rührend festzustellen, dass massive und in Ihrer Auswirkung auf die unberührte Natur umwälzende Eingriffe vor ca. 170 Jahren bereits wenige Generationen danach vollständig akzeptiert und bereits als dauerhaft schützenswert eingestuft werden. Nach heutigen ökologischen Gesichtspunkten wären diese Veränderungen „katastrophal“.

Ein Schutz durch die UNESCO macht allerdings sowohl eine Weiterentwicklung nach den Bedürfnissen der Anwohner als auch eine Renaturierung - und sei sie noch so gering - unmöglich. Sie stellt eine aus Hungersnot und Krankheit gewählte Lösung auf ein Denkmalfundament, wo sie weder als Kulturerbe noch als Naturerbe hingehört. Vielmehr muss die Donau als ein möglichst allen Ansprüchen als Kulturgut und Naturgut gerecht werdender, von Menschenhand geprägter Fluss verstanden werden, der im Rahmen dieser Möglichkeiten, mit den Mitteln der heutigen Zeit weiterentwickelt wird.